Lerninsel

Dyskalkulie

Rechenschwäche – was ist das? Für das Phänomen Rechenschwäche gibt es eine große Anzahl verschiedener begrifflicher Umscheibungen, aber keine einheitliche Definition.

Definitionen:
  • Die Begriffe "Dyskalkulie", "Arithmasthenie", "Rechenstörung", "Rechenschwäche" sind wissenschaftlich nicht geklärt. Die Begriffe "Dyskalkulie" und "Arithmasthenie" werden vor allem im Medizinischen, sonderpädagogischen und psychologischen Berich sowie in den Medien verwendet. Sie suggerieren das Vorhandensein einer Krankheit, die eine "Therapie" erfordere. (Royar 2010)
  • Im Bereich der Schule und der Mathematikdidaktik sind eher die Begriffe "Rechenstörung" und "Rechenschwäche" gebräuchlich. Häufig werden diese Begriffe synonym verwendet. (Royar 2010)
  • Als Richtschnur dient seit 1991 (nach Dilling) häufig die Definition "Rechenstörung" nach der ICD 10 (International Classification of Diseases) der WHO (Weltgesundheitsorganisation). Diese Störung beinhaltet eine umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie und Differential- sowie Integralrechnung benötigt werden. Die ICD 10 dient der Zuordnung von Krankheitssymptomen zu verschiedenen Krankheitsbilder, also der Diagnose einer Krankheit anhand feststehender Kriterien. Rechenschwäche wird somit als eine psychische Störung aufgefasst und von ärzten oder Psychologen festgestellt. (Wenglein, 2009)
Allgemeines:

Rechenschwäche kann nicht erblich sein. Es gibt kein Gen dafür. Sie ist auch keine hirnorganische Krankheit. Nur 3 % der rechenschwachen Kinder haben neurologische Auffälligkeiten. Rechenschwäche hat mit mangelnder Intelligenz nichts zu tun. Sie tritt isoliert auf. Bei 70 % der Kinder hängt sie auch mit sprachlichen Schwierigkeiten zusammen. Das Matheproblem ist dann jedoch vordergründiger. (Royar, 2010)

  • Definition "Rechenschäche" nach Prof. Gerster, 1997:

    Rechenschwach ist ein Kind, das schwach im Rechnen ist und das fällt jedem LehrerIn auf.

    Rechenschwäche ist eine Lehr- und Lernschwierigkeit, die aufgrund einer fehlenden Passung des Unterrichts an den Entwicklungsstand des Kindes entsteht. Mit geeigneten didaktischen Methoden kann der Rechenschwäche entgegengewirkt werden. (Wenglein, 2009)

  • Definition nach Gaidoschik, 2003, österreich:
    Rechenschwäche ist auf der Ebene des kindlichen Denks ein klar beschreibbarer Zusammenhang von Fehlvorstellungen, fehlerhaften Denkweisen und letztlich nicht zielführenden Lösungsmustern zu ein "einfachsten" mathematischen Grundlagen. (Wenglein, 2009)
  • Definition nach Krajewski (2002):
    Sie unterscheidet drei Begriffe:
    • Rechenschwäche
      Auftreten sehr schwacher mathematischer Leistungen ( unterstes Quartil der Leistungen Gleichaltriger)
    • Dyskalkulie
      Unterdurchschnittliche Leistungen bei gleichzeitigem Diskrepanzkriterium
    • Akalkulie - durch Hirnschädigung erworbene schlechte Rechenleistung (Wenglein, 2009)
(Quellen: Thomas Royar, PH Freiburg, Fachbereich Mathematik, Marion Wenglein, Grundschullehrerin und Legasthenie- und Dyskalkulietherapeutin, in der Lehrerfortbildung tätig))

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