Lerninsel

Wie erkenne ich eine Rechenschwäche / Dyskalkulie?

Erste Hinweise auf eine Rechenschwäche:

Es gibt keine einheitliche Fehlertypologie. Rechenschwache Kinder fallen spätestens im 2. Schuljahr durch die Zahlbereichserweiterung bis 100 auf, denn

Rechenschwäche betrifft Defizite im Zahlbegriff und in den vier grundlegenden Rechenfertigkeiten.

Es gibt aber einige typische Merkmale. Diese kann man als erste Hinweise auf eine Rechenschwäche verstehen.

Typische Fehler / Auffälligkeiten:
  • Zählendes Rechnen (meist mit Fingern)
  • Gliederungsmöglichkeiten im Zahlenbereich bis 10 sind nicht spontan abrufbar
  • Schwierigkeiten mit dem Kardinal- und Ordinalzahlbegriff: (Kardinalzahl – Anzahl der Elemente – 5 Plättchen gezählt) Ordinalzahl – Reihenfolge der Zahlen – 5. Plättchen)
  • Probleme beim 10er-Übergang
  • Bündeln und Entbündeln ist schwierig: 52 E = 5 Z 2 E
  • Mit den Rechenzeichen wird keine Operationsvorstellung verbunden:
    plus heißt nicht: "hochzählen auf der Zahlwortreihe"
    plus = "dazutun"
    minus heißt nicht: "zurückzählen"
    minus = "wegnehmen"
  • Lateralitätsfehler (seitenverkehrte Ziffern)
  • Auswendiglernen wird als Kompensation genutzt
  • Fantasieergebnisse fallen nicht auf (Kinder raten)

Küspert und Gaidoschik haben typische Schwierigkeiten klassenspezifisch eingeteilt:

Schwierigkeiten in Klasse 1:
  • Mengenvergleich, ordnen, klassifizieren
  • Sinnvolles Zählen (rückwärts, in Sprüngen)
  • 1:1 Zuordnung
  • Simultan /Quasisimultan Erfassung
  • Kardinaler / Ordinaler Zahlenbegriff
  • Unzureichendes Operationsverständnis
  • Zweistellige Zahlen
Schwierigkeiten in Klasse 2:
  • Zahlzerlegung bis 10
  • Zehnerübergang
  • Zählschwierigkeiten bis 100
  • Keine Orientierung im Zahlenraum
  • Wissen aus dem 10er-Raum, das bis 20 / 100 übertragen werden soll
  • Rechenzeichenunterscheidung
  • Rein zählendes Rechnen
  • Stellenwertsystem, Bündel / Entbündeln
  • Keine Verständnisgrundlage für den multiplikativen Bereich
  • Sachaufgaben
  • Abschätzen von Größen
Schwierigkeiten in Klasse 3:
  • Keine abrufbaren Kenntnisse fürs Rechnen
  • Zählendes Rechnen
  • Zahlenraum bis 100 nicht vorhanden
  • Keine Zahlenraumorientierung
  • Zehnersystem nicht vorhanden
  • Stellenwertprobleme beim Lesen, Schreiben und Rechnen
  • Multiplikation (1x1) nicht verstanden, auch nicht automatisiert
  • Division nicht verstanden
  • Keine Größenvorstellung
  • Sonderproblem Uhr
  • Sachaufgaben problematisch
Schwierigkeiten in Klasse 4:
  • Zahlenraumerweiterung wird nicht bewältigt
  • Unvermögen beim Kopfrechnen
  • Durch zählendes Rechnen erhöhter Zeitaufwand und vermehrte Fehlerhäufigkeit
  • Schriftliche Rechenverfahren werden mechanisch angewendet (ohne Verstehen, überschlagskontrolle fehlt)
  • Fehler mit der Null
  • Keine Größenvorstellung
  • Uhr bleibt Problem (Zeitspannen)
  • Problembereich Sachaufgaben
(Quelle: M. Wenglein, Grundschullehrerin, Legasthenie- und Dyskalkulietherapeutin, in der Lehrerfortbildung tätig)

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